Call for Action – Gemeinsam gegen Erdgas!

Wir haben als Klimagerechtigkeitsbewegung nicht so lange für den Kohleausstieg gekämpft, um dann dafür einen Erdgaseinstieg zu bekommen! Entgegen aller Fakten wird Erdgas weiterhin von der Lobby als saubere Brückentechnologie propagiert und die Umrüstung von Kohle auf Gas von der Bundesregierung massiv gefördert. Die Bundesnetzagentur rechnet bis 2030 mit rund 200 neuen Gaskraftwerken in 120 Städten. Diese Kraftwerke dürfen, wenn wir auch nur die geringste Chance haben wollen, das 1,5°-Limit einzuhalten, nie gebaut werden! Statt mehr Erdgas zu verfeuern, müssen wir bis 2035 vollständig aus seiner Nutzung ausgestiegen sein. Jetzt müssen die Weichen gestellt werden für eine erneuerbare Strom- und insbesondere Wärmeversorgung. Denn hierfür werden die Gaskraftwerke gerade vor allem gebaut – obwohl ausreichend Alternativen vorhanden wären.
Wir wollen nicht dabei zuschauen, wie sich Steuergelder in fossile Subventionen verwandeln und die Gaslobby unsere Zukunft verheizt. Deshalb laden wir vom 15.-17. Januar zu einem Vernetzungstreffen ein. Gemeinsam wollen wir dort eine Kampagne starten, um diese fossile Sackgasse zu verhindern. Ansatzpunkte gibt es genug: Kraftwerksneubauten, die Gaslobby, aber auch die kommende Bundestagswahl. Vielleicht können wir zentrale Aktionen mit dezentraler Arbeit zum Umbau der Wärmeversorgung verbinden und eine bundesweite Sichtbarkeit für das Thema erzeugen.
Wir haben Gelder beantragt (Arbeitstitel der Kampagne: Risse in der Pipeline), um ein Auftakttreffen in der Nähe von Berlin unter Coronabedingungen zu finanzieren. Dort möchten wir die Ziele der Kampagne, unsere Arbeitsstrukturen und erste Aktionsideen entwickeln. Aufgrund der limitierten Plätze möchten wir das Treffen mit digitalen Teilnahmemöglichkeiten verbinden. Bitte meldet euch, wenn ihr Fragen oder Anregungen habt, wenn ihr Lust habt, an dem Auftakttreffen teilzunehmen (Rückmeldung bis 13. Dezember) oder auch, wenn ihr zu dem Termin nicht könnt, aber trotzdem interessiert seid.
Schreibt uns auch sehr gern, ob ihr das Treffen mit vorbereiten und Moderationsparts übernehmen wollt. Wir bitten alle, im Vorfeld schon über Ideen und Ansatzpunkte nachzudenken und sie uns zu schicken, damit wir sie auf dem Treffen gemeinsam diskutieren können.
Kontakt: gasausstieg@riseup.net

15.01., 20 Uhr: „Einfache Lösung oder neue Probleme? – Auswirkungen von Erdgas auf das Klima“

Die Referentinnen sind Isabell Braunger und Hanna Brauers.

Weitere Hintergründe zum Thema Gas:
https://buerger-begehren-klimaschutz.de/wp-content/uploads/2020/11/2020_11_05_Hintergrund_Gaskraftwerke.pdf

 

See below for the English version/translation

Call for Action – together against fossil gas!

 

Hintergrundinformationen

Das mögliche Zeitfenster zum Einhalten der 1,5°-Grenze schließt sich immer schneller. Notwendig ist eine rasche Dekarbonisierung aller Sektoren. Etwa ein Drittel aller Emissionen entfallen auf den Gebäudesektor. Die Dekarbonisierung in diesem Bereich ist deshalb ein Schlüssel zur Einhaltung der Klimaziele. Der eingeleitete Kohleausstieg ist dafür ein erster, wenn auch ungenügender Schritt. Problematisch allerdings ist insbesondere der sich gerade abzeichnende Transformationspfad. So werden wegfallende Kohlekapazitäten, die oftmals zentral für die Wärmeerzeugung sind, vielfach durch Gaskraftwerke ersetzt – ein Prozess, der durch die Bundesregierung mit dem Kohleersatzbonus und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz massiv gefördert wird.

Der Fokus der Förderung auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und der damit einhergehende massive Aus- und Aufbau von Gasinfrastruktur ist aus zwei Gründen kritisch zu bewerten: Die Emissionen von Gas sind, vor allem auf einen kürzeren Zeitraum betrachtet, der aber für das Verhindern von Kipppunkten besonders wichtig ist, oft klimaschädlicher als Kohlekraftwerke und stellen keine Verbesserung dar. Zudem gehen selbst konservative Klimaschutzszenarien von einem perspektivisch deutlich geringeren Einsatz von Gas aus, da ein Ausbau der Gaskapazitäten und die perspektivische Nutzung von Grünem Wasserstoff nicht wirtschaftlich sind. Hinzu kommt, dass ein Einhalten der 1,5°-Grenze einen anderen Transformationspfad voraussetzt als das Einhalten der 2°-Grenze. Deshalb ist die Weichenstellung jetzt wichtig, um einen Lock-In auf einem unzureichenden Transformationspfad zu verhindern.

Quellen:

http://energywatchgroup.org/wp-content/uploads/EWG_Erdgasstudie_2019.pdf, abgerufen am 21.07.2020

Überblicksstudie: https://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/energie/gruene-metastudie-gas-nov-2019.pdf, abgerufen am 21.07.2020

https://www.fz-juelich.de/iek/iek-3/DE/_Documents/Downloads/transformationStrategies2050_studySummary_2019-10-31.pdf.pdf?__blob=publicationFile, abgerufen am 21.07.2020