Im Januar startet unsere neue Kampagne. Auf einem ersten Treffen wollen wir Menschen und Ideen rund um das Thema Gas zusammen bringen. Denn fast unbemerkt von der Öffentlichkeit ist mit dem Kohleausstieg der Gaseinstieg beschlossen worden. Gerade zur Wärmeversorgung wird die Umstellung von Kohle auf Gas als vermeintlich einfachere und klimaschützende Alternative massiv propagiert. So sind deutschlandweit aktuell an über 120 Standorten insgesamt rund 200 neue Gaskraftwerksblöcke geplant. Kraftwerke, die zum Einhalten des 1,5°-Limits sich niemals amortisieren dürfen und die aller spätestens 2035 wieder abgeschaltet werden müssen. Denn Gas ist, wenn man den Methan-Schlupf berücksichtigt, nicht sauberer als Kohle. Sauberes, klimafreundliches Gas, ist nicht mehr als eine schmutzige Lüge, die nicht länger unter den Teppich gekehrt werden darf.

Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, das Thema Gas auf die bundespolitische Agenda zu setzen. Die massiven Subventionen in den Ausbau von Erdgas-Kraftwerken und -infrastruktur müssen gestrichen werden. Um Kohle durch nachhaltige Energieträger zu ersetzen, müssen die Erneuerbaren massiv ausgebaut und eine Förderkulisse für erneuerbare Wärme geschaffen werden.

Wenn du über unsere Kampagne und das erste Vernetzungstreffen informiert werden möchtest, schreibe uns gerne an: info@buerger-begehren-klimaschutz.de

Hintergrundinformationen

Das mögliche Zeitfenster zum Einhalten der 1,5°-Grenze schließt sich immer schneller. Notwendig ist eine rasche Dekarbonisierung aller Sektoren. Etwa ein Drittel aller Emissionen entfallen auf den Gebäudesektor. Die Dekarbonisierung in diesem Bereich ist deshalb ein Schlüssel zur Einhaltung der Klimaziele. Der eingeleitete Kohleausstieg ist dafür ein erster, wenn auch ungenügender Schritt. Problematisch allerdings ist insbesondere der sich gerade abzeichnende Transformationspfad. So werden wegfallende Kohlekapazitäten, die oftmals zentral für die Wärmeerzeugung sind, vielfach durch Gaskraftwerke ersetzt – ein Prozess, der durch die Bundesregierung mit dem Kohleersatzbonus und dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz massiv gefördert wird.

Der Fokus der Förderung auf Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und der damit einhergehende massive Aus- und Aufbau von Gasinfrastruktur ist aus zwei Gründen kritisch zu bewerten: Die Emissionen von Gas sind, vor allem auf einen kürzeren Zeitraum betrachtet, der aber für das Verhindern von Kipppunkten besonders wichtig ist, oft klimaschädlicher als Kohlekraftwerke und stellen keine Verbesserung dar. Zudem gehen selbst konservative Klimaschutzszenarien von einem perspektivisch deutlich geringeren Einsatz von Gas aus, da ein Ausbau der Gaskapazitäten und die perspektivische Nutzung von Grünem Wasserstoff nicht wirtschaftlich sind. Hinzu kommt, dass ein Einhalten der 1,5°-Grenze einen anderen Transformationspfad voraussetzt als das Einhalten der 2°-Grenze. Deshalb ist die Weichenstellung jetzt wichtig, um einen Lock-In auf einem unzureichenden Transformationspfad zu verhindern.

Quellen:

http://energywatchgroup.org/wp-content/uploads/EWG_Erdgasstudie_2019.pdf, abgerufen am 21.07.2020

Überblicksstudie: https://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/energie/gruene-metastudie-gas-nov-2019.pdf, abgerufen am 21.07.2020

https://www.fz-juelich.de/iek/iek-3/DE/_Documents/Downloads/transformationStrategies2050_studySummary_2019-10-31.pdf.pdf?__blob=publicationFile, abgerufen am 21.07.2020