In vielen industriellen Prozessen entsteht Abwärme, die nicht weiter genutzt wird und einfach verpufft. Dabei könnte das Potenzial der entstandenen Wärme auch in unsere Wärmenetze eingespeist werden und für nachhaltigeres Heizen sorgen. Doch was muss bei der Nutzung von industrieller Abwärme beachtet werden? Und wie sieht das Heizen mit Abwärme in der Praxis aus?
Klimaneutral trotz fossiler Energieträger?
Es ist kein Geheimnis, dass die Industrie bei der Erzeugung von Prozesswärme weiterhin größtenteils auf fossile Energieträger setzt. Da die Abwärme dieser Prozesse jedoch unvermeidbar ist und ohne zusätzlichen Einsatz von Brennstoffen bereitgestellt werden kann, kann man hier von klimaneutraler Wärme sprechen. Dafür sollten jedoch einer Nutzbarmachung der industriellen Abwärme immer Klimaschutz-fördernde Maßnahmen für die industriellen Prozesse selber vorangehen. Das bedeutet, dass Effizienz- und Elektrifizierungpotenziale zuvor angehoben und möglichst auf erneuerbare Energien umgestiegen wird.
Herausforderungen der Abwärme-Nutzung
Da Industrieprozesse sehr unterschiedlich ablaufen, muss individuell vor Ort geprüft werden, welche Wärmemenge auf welchem Temperaturniveau zur Verfügung steht. Das Temperaturniveau kann stark variieren: Abwärme aus Hochtemperaturprozessen kann beispielsweise ohne weitere Temperaturanhebung ins Wärmenetz eingespeist werden, während bei niedriger Abwärme-Temperatur eine zusätzliche Wärmepumpe notwendig wird. Außerdem liegen Abwärmepotenziale nicht immer kontinuierlich vor, so dass auch die Aufnahme großer Wärmemengen in kurzer Zeit eine Herausforderung sein kann.
Von der Industrie ins Haus: Der Weg der Abwärme
Damit die Abwärme auch bei uns zuhause ankommen kann, müssen Trassen gebaut werden. Ihr Bau ist oftmals mit längeren Genehmigungsverfahren und entsprechenden Investitionen verbunden. Über die Trassen kann die Abwärme dann aus den abgelegenen Industrieanlagen zu den Endverbraucher*innen transportiert werden.
Hamburg: Ein Kupferwerk spendet Wärme für die HafenCity
Ein In Hamburg, Deutschlands Umsatzstärksten Industriestandort, möchte das Unternehmen “Wärme Hamburg” Abwärmepotenziale für die Fernwärme nutzen. Um die östliche HafenCity zu versorgen, soll dafür vor allem die Abwärme mit einer Temperatur von unter 100°C genutzt werden, für die es im Kupferwerk Aurubus selbst keine Verwendung gibt. Die Häuser sollen durch eine Fernwärmeleitung mit dem Werk verbunden werden. Rund ein Drittel der Kosten für den Umbau der Prozesse und der internen Wärmeleitung wird durch die KfW gefördert. Insgesamt liegen die Kosten bei ca. 16 Mio. Euro. 2021 unterzeichneten die Stadt Hamburg und Aurubus einen langfristigen Wärmeliefervertrag für die Versorgung von rund 20.000 Haushalten ab der Heizperiode 2024/2025.
Rheinfelden: Kleines Projekt mit großer Wirkung
Etwas kleiner ist das Projekt in Rheinfelden. Dort versorgen der Chemiekonzern Evonik und NaturEnergie 10.000 Haushalte und ein Gewerbegebiet mit industrieller Abwärme. Da Evonik nicht die gesamte genutzte Wärme wieder dem Produktionskreislauf zuführen kann, wird sie über eine 900 Meter lange Rohrleitung zur Energiezentrale geleitet. Dort wird das 95°C warme Wasser über die gekoppelten Nahwärmenetze der NaturEnergie und den Stadtwerken Rheinfelden weiter verteilt oder über einen Wärmetauscher und mittels Kleinstdampfturbinen in elektrische Energie umgewandelt. Das Besondere an diesem Projekt: wenn der Wärmebedarf im Sommer geringer ist, wird aus der überschüssigen Wärme mittels Wärmetauscher und Kleinstdampfturbinen Strom gewonnen.
Mehr zur industriellen Abwärme findet ihr hier.
Beitragsbild: Evonik
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